Blockchain – Hype oder echte Chance für Unternehmen?

Der Begriff Blockchain ist vielen Menschen ein Begriff – aber nicht jeder weiß, um was genau es sich dabei handelt oder wie die Technologie funktioniert. Eine Podiumsdiskussion beim Data Festival 2018 widmete sich diesem Thema: Thomas Schmiedel, Data Scientist bei Data Reply, Sebastian Heinz, CEO von Statworx sowie Marco Plaul, Data Scientist bei Alexander Thamm, diskutierten gemeinsam über die Blockchain, ihre möglichen Anwendungsgebiete, Vorteile und Herausforderungen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Thema Smart Contracts. Moderiert wurde der Austausch von Nadiem von Heydebrand, Executive Data Scientist & CSO.

Was genau ist also die Blockchain? Und wie funktioniert sie?

Zu Beginn erörterte Sebastian Heinz die häufig gestellte Frage, um was es sich bei der Blockchain handelt. Seine Aussage: Grundsätzlich um Daten. Die Blockchain besteht aus Datenblöcken, die wiederum an vorhergehende Blöcke anknüpfen und durch einen Hashwert verschlüsselt sind. Ein Hash bezeichnet einen kryptographischen Schlüssel. Der erste Block ist der sogenannte „Genesis-Block“ und die Blockchain ist von ihrer Beschaffenheit eine sequentielle Datenbank.

Und Smart Contracts?

Genau wie jede andere Art von Information können auch Vertragsinformationen in einer Blockchain innerhalb von verschiedenen Blöcken gespeichert werden – wo wir schon beim Thema wären. Das Interessante an Smart Contracts ist die Tatsache, dass ihr Code automatisch ausgeführt wird, sobald bestimmte Aktionen oder Bedingungen der vertraglichen Information erfüllt wurden. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass die Vertragsinformationen für alle Vertragspartner sichtbar sind.

Sebastian Heinz erklärte Smart Contracts anhand des folgenden Beispiels: Stellen Sie sich eine Kampagne auf Kickstarter vor, einer Community, die Einzelpersonen und Firmen bei der Finanzierung von Projekten unter die Arme greift. Sobald die Finanzierung vorliegt, also in diesem Fall ein bestimmter Betrag zur Projektfinanzierung eingesammelt wurde, soll die Überweisung an den Projektverantwortlichen veranlasst werden. Dies kann manuell oder automatisch über Smart Contracts erfolgen. Im letzteren Fall würde eine WENN-DANN-Gleichung innerhalb eines Blocks des Smart Contract hinterlegt werden. WENN also der notwendige Geldbetrag eingesammelt ist, DANN wird er automatisch an den Projektverantwortlichen überwiesen.

Der Einsatz von Smart Contracts ist sowohl praktisch als auch sicher, da die Blockchain außerordentlich schwer zu manipulieren ist.

Was ist der Hauptnutzen der Blockchain (im Zusammenhang mit Smart Contracts)?

Für Marco Plaul besteht der größte Vorteil im Bereich der

  • Sicherheit:

Denn die in der Blockchain gespeicherten Informationen sind nur sehr schwer veränderbar. Sobald Informationen modifiziert werden, hat der generierte Hash keine Verbindung mehr zum vorhergehenden Block. Dementsprechend ist jegliche Manipulation für alle Vertragsparteien sichtbar und das Netzwerk würde die fehlerhafte Änderung zurückweisen. Theoretisch wäre eine Manipulation möglich, wenn die Person, die einen Eintrag ändert, über 51% der gesamten Rechenleistung verfügt. In diesem Fall würde sie die längste Kette als scheinbares Original bauen.

Sebastian Heinz gab in diesem Kontext zu bedenken, dass eine Manipulation auch extrem zeitaufwändig wäre. Üblicherweise dauert ein Proof-of-Work, also ein mathematisches Problem, das zur Legitimation einer Transaktion in der Blockchain gelöst werden muss, ca. 10 Minuten. Würde eine Person nun versuchen, eine bestehende Blockchain aus beispielsweise 100.000 Blöcken zu ändern, würde sie dafür 1 Million Minuten brauchen. Aus diesem Grund ist die Manipulation einer Blockchain nahezu unmöglich und die Speicherung von Informationen in einem Smart Contract sehr sicher.

  • Transparenz

Wie zuvor erwähnt, haben alle Vertragspartner Zugriff auf die in einem Smart Contract gespeicherten vertraglichen Informationen. Die ausgeführten Aktivitäten können daher leicht verifiziert und überprüft werden.

  • Dezentralisierung

Die Blockchain ist eine dezentralisierte (sequentielle) Datenbank. Dies bedeutet, dass die in den einzelnen Blöcken gespeicherten Informationen nicht von einer einzelnen Instanz gespeichert (und kontrolliert) werden; vielmehr ist der Speichervorgang dezentral organisiert.

Welche Branchen können am meisten von der Blockchain profitieren?

Um dies zu eruieren, stellte Thomas Schmiedel den Unterschied zwischen der Blockchain und einer normalen Datenbank heraus. Im Vergleich zu einer normalen Datenbank ist die Blockchain sowohl dezentral als auch verteilt. Es kann also auf ein ganzes Netzwerk vertraut werden, das sich um diese kümmert. Die Blockchain ist ständig verfügbar und praktisch unmöglich. Diese beiden Aspekte lassen darauf schließen, dass die Blockchain sich besonders für Branchen eignet, die mit datenschutzrelevanten Themen oder Transaktionen zu tun haben. Die Technologie kann  dabei auch positive Auswirkungen auf die interne Kommunikation in Unternehmen haben. Die zwei letztgenannten Argumente treffen z.B. auf die Banken- und Finanzindustrie zu.

Sebastian Heinz warf ein, dass sich die Blockchain besonders für Unternehmen eignet, die Vertragsbeziehungen mit Dritten haben, also Zwischenhändler oder Kunden. Da ein Smart Contract kodiert ist, kann er automatisiert werden und es können automatische Entscheidungen getroffen werden – ähnlich zum Machine Learning. Als Beispiel führte Heinz den Verkauf von (gefälschten und echten) Tickets an. Tickets werden oft über eBay oder vor dem Stadium verkauft. Doch wie lässt sich ihre Echtheit sicherstellen? Nun, würde ein jeweils nur einmal verfügbarer Schlüssel für jedes Ticket ausgestellt und direkt in einer Blockchain gespeichert, hätten Fälscher keine Chance mehr. In diesem Szenario würden auch Zwischenhändler überflüssig.

Was würde in diesem Fall mit diesen, bspw. PayPal, passieren? Erfahren Sie mehr über die Umgehung von Zwischenhändlern in diesem Video.

Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Nutzung von Blockchain?

Wie jede andere Technologie hat auch Blockchain ein paar Nachteile. Die Implementierung der Blockchain erfordert beispielsweise die Expertise erfahrener Programmierer, da sie nicht einfach aufzusetzen ist. Marco Plaul verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass eine der Hauptschwierigkeiten für Unternehmen in dem Versuch begründet liege, selbst eine Blockchain zu entwickeln. Wobei es viel vorteilhafter wäre, sich an einem Netzwerk zu beteiligen und es für sich zu nutzen.

Doch auch in ethischer Hinsicht kursieren Bedenken. Man betrachte nur zentrale Institutionen mit ihren vielen Richtlinien und Regeln. Würde man diese nun durch eine dezentralisierte Blockchain-Technologie ersetzen, muss man diesen dezentralen Netzwerken bedingungslos vertrauen. Es weiß jedoch niemand, zu was dies führen würde – entstünde Chaos? Anarchie? Oder würde alles so weiterlaufen wie bisher? Da niemand eine Antwort auf Fragen wie diese hat, bedeutet dies eine starke Unsicherheit.

Ökologisch gesehen ist die Blockchain aufgrund ihres hohen Energiebedarfs ebenfalls kritisch zu betrachten. Thomas Schmiedel warf zu diesem Aspekt ein, dass es der Proof-of-Work-Prozess sei, der am meisten Energie verschlänge. Hierzu gäbe es allerdings Alternativen wie z.B. weitere Konsensalgorithmen (die sich aber teilweise nicht so gut skalieren lassen) oder andere Ersatzmöglichkeiten.

Ihr möchtet noch mehr erfahren? Seht euch unser Blockchain Panel Video hier an: